Warum Unternehmen twittern müssen - Interview mit Nicole Simon auf Handelsblatt.com
Dürfen Twitter-Nachrichten persönlich sein?
Es ist durchaus üblich, dass Firmen-Accounts von mehreren Mitarbeitern bestückt werden. Dann kann man beispielsweise Namenskürzel am Ende eines Tweets, also einer Mitteilung, verwenden. Das hat sich inzwischen durchaus etabliert. Bei den Inhalten kommt es darauf an, wen man erreichen will, etwa Kunden oder Medienvertreter. Kundensupport ist sehr aufwändig. Man sollte sich daher schon vorher sehr genau überlegen, wie viel Zeit man in einen Account stecken kann. Inhaltlich bieten sich an: Informationen über neue Produkte, Links auf interessante Webseiten, Antworten auf andere User. Das wären die klassischen Sachen, die man in diesem Umfeld twittern kann. Die Deutsche Bahn twittert auf einem speziellen Account nur über Jobs. Für ein solches Großunternehmen ist das eine adäquate Verwendungsweise von Twitter. Wenn ich zum Beispiel ein Klempner bin, der draußen unterwegs ist, dann kann ich vielleicht damit anfangen, mit meinem Handy aus dem Leben eines Klempners zu twittern. Nur muss ich mir dann überlegen, ob mein Firmenalltag spannend genug ist, damit Kunden oder Medien sich das alle Nase lang anschauen möchten. Da muss man an einem Punkt ansetzen, an dem man sagt: Ich bin kein Gelegenheitstwitterer, der ab und zu nur Banales wie „Trinke gerade Kaffee“ twittert. Man muss vorher einen Plan haben. Und dieser Plan will dann auch ausgeführt sein, etwa durch Mitteilungen wie: „Unsere Mitarbeiter sind heute auf Messe XY ...“, „Bringen ein neues Produkt heraus ...“ oder „Freuen uns über neue Pressemitteilung ...“ Das klingt einfach, wenn jemand wie ich das sage, weil ich verstanden habe, dass man nicht einfach werbende Nachrichten ins Volk streuen kann. Ich weiß intuitiv, dass man diese Nachrichten anders formulieren muss. Wer Twitter einfach nur als weiteren Push-Kanal sieht und aus der Web-1.0-Welt kommt, versteht die Zusammenhänge in der „neuen Welt“ nicht, weil er in dieser Welt nicht lebt und Gefahr läuft, sich sehr schnell unbeliebt zu machen. Das hat auch stark mit Konventionen zu tun, die eine Gesellschaft im Umgang miteinander hat. Das gilt hier ganz genauso.
Muss ich mich denn als Unternehmer klar entscheiden, ob ich rein nüchterne Nachrichten über mein Unternehmen verbreite, oder dürfen es auch mal eher menschelnde Inhalte sein?
Meine Antwort darauf lautet: Persönlich, aber nicht privat. Wenn Sie an die klassische Kommunikation denken, erwarten Sie nicht unbedingt, dass Sie etwas aus dem Alltag der Mitarbeiter mitbekommen. Auch ein Mitarbeiter oder ein Chef können natürlich privat twittern, aber für das Bild der Firma will man die Menschen hinter der Firma sehen. Und wenn zum Beispiel ein gesamtes Unternehmen anfängt zu twittern und jeder updatet so ab und zu mal mit dem, was in der Firma passiert, dann kann das ja einen Einblick hinter die Kulissen erlauben.